Zurzeit frohlocken Aufträge und mein Umzug in die Hansestadt. Da heißt es Prioräten setzen und auch mal wieder einen Blogeintrag posten (Höchste Zeit!). Und der sollte sich diesmal um das Lieblingsspielzeug Nummer eins der Social Media Enthusiasten und Markenbotschafter drehen: Twitter. Beispiele von funktionierenden Kampagen kursieren mittlerweile in regelmäßigen Abständen durchs Netz. Doch lässt sich damit wirklich Umsatz generieren und das Markenbewusstsein nachhaltig stärken. Dies können Agenturen mit vorhandendem Social Media Unit zurzeit auch nur wage schätzen. Schauen wir gemeinsam über den großen Teich, hier geben sich wirklungsvolle Social Media Marketing ausgeschlafener Unternehmen und Agenturen sowie kleine Experimente 2.0 die Klinke in die Hand. Aus der letzteren Kategorie möchte ich Euch gern drei ausgewählte Fallbeispiele vorstellen.
Fall 1: Pizza
Die 1962 gegründete Pizzeria Pizzaparty aus Santa Clara, Kalifornien möchte neue Wegen gehen, um der jungen kommunikativen Internetgeneration Rechnung zu tragen und gleichzeitig state-of- the-art zu bleiben. Die innovative Pizzabäckerei wartete deshalb mit verschiedenen Features auf, um sich mit ihrer hungrigen Kundschaft zu vernetzen. Mittels Livecam kann das Zubereiten der runden Köstlichkeit just in time an den heimischen Bildschirmen nachverfolgt werden. Sonderaktionen und Feedback (Beispiel: Kostenlose Pizzen zum Superbowl) werden über Twitter und Facebook herangetragen. Auch das mobile Web kam dank einer iPhone-App nicht zu kurz.
Fall 2: Twitter-Bestellung
J.R. Cohen, Inhaber des Houstener Cafés Coffee Groundz, begeisterte sich schon von Anfang an für das neue Massengezwitscher. Er startete ein kleines Social Media Experiment, bei dem er gezielt die Beiträge von bekannten Twitterati aus dem Raum Houston abonnierte. Auf diesem Wege gelang ihm ein recht schneller Zugang zur lokalen Twitter-Szene. Am 31.10.08 gelang ihm dann endlich der Durchbruch. Einer seiner Follower bestellte per Direktnachricht einen Burrito, um ihn dann kurze Zeit später an der Theke "physisch" abzuholen. Cohen spielte das Spiel mit. Die Twitterati waren außer Rand und Band, denn dies war das aller erste Mal, dass jemand Twitter nutzte, um an Ort und Stelle zu ordern. In den USA ist es seitdem in vielen Restaurants gang und gäbe Bestellungen via Twitter aufzugeben.
Fall 3: Kundenbindung
Freshbooks erspart Selbstständigen und kleinen Unternehmen die lästigen Arbeiten der Zeiterfassung, Angebots- und Rechnungerstellung - und das selbsredend online. Weltweit verfügt das Unternehmen über 600.000 Kunden. Das Unternehmen nutzt ebenfalls Twitter, um ihren Kunden zu zeigen, wie ernst sie selbst das Thema "Kundennähe" nehmen. Während eines täglichen Twitter-Monitoring stolperte das Social Media Team über ein Tweet einer Twitterin, die sich beklagte, dass sie von ihrem Date versetzt worden war. Rasch wurde festgestellt, dass es sich bei ihr um eine bestehende Kundin handelte. Am nächsten Tag sandten sie ihr einen prachtvollen Blumenstrauß zur Aufmunterung. Ihr könnt euch bestimmt denken, welches Echo diese kleine Geste in der Social Media Sphäre auslöste und was dies letztlich für den digitalen Ruf von Freshbook bedeutete.
Fazit
Ihr seht, es müssen nicht unbedingt große und teure Sozial Media Kampagnen sein, die Euer Unternehmen online bekannter machen und Eure Reputation positiv beeinflussen. Entscheidend ist, dass Ihr Euch vorher Gedanken macht, was Ihr konkret erreichen möchtet und welche Mittel ihr dafür einsetzen wollt oder könnt. Wie auch im klassischen Media-Mix heißt die Devise: "Klotzen statt Kleckern". Beschränkt Eure Ressourcen lieber auf wenige populäre Dienste, bei denen Ihr Eure Zielgruppe vermutet und gebt hier volle Manpower.
In dem Sinne ein schönes Wochenende,
Euer Sebastian




