Wieder einmal hatte ich das Vergnügen einer fleißigen Diplomandin bei ihrer Umfrage zum Thema Social Media zu unterstützen. Da ich ein Fan der Mehrfachverwertung bin, sollt Ihr auch etwas davon haben!
1. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Merkmale von Social Media?
Nutzer werden zu Prosumenten
Im Social Web hat jeder Nutzer die Möglichkeit selbst an der Gestaltung des Internet mitzuwirken. Sei es durch das Posten von Beiträgen in seinem persönlichen Weblog, das Bewerten von Produkten und Services auf Bewertungsplattformen wie Ciao oder Dooyoo oder das Knüpfen von Kontakten in Social Networks wie Facebook oder StudiVZ. Dieses Phänomen beschäftigt zunehmend auch viele Unternehmen und Organisationen, die im Rahmen ihrer Kommunikationsstragegien die Mitmach-Kanäle zukünftig mehr
einbeziehen müssen, um ihre Zielgruppen (noch) zu erreichen.
Weisheit der Vielen (Wisdom of the Crowd)
Privat- und Geschäftsleute verabschieden sich langsam und sicher vor dem Mantra:"Wissen ist Macht und Macht behalt ich". Da werden interessanten Webfundstückeauf Social Bookmarking Plattformen wie Mister Wong und Delicious gespeichert, Ratgeberbeitrage verfasst und kostenlos auf Blogs und Wikis verteilt und Wissenshäppchen innerhalb 140-Zeichen auf Twitter serviert. "Geben statt nehmen ist zur Devise" geworden. Das Resultat: Ein gewaltiger gemeinschaftlicher Wissenschatz, aus dem sich jeder frei bedienen kann, wenn er denn mag und die Social Web Werkzeuge beherrscht.
Transparenz
Vorbei sind die Zeiten, in den sich der Konsument während des Kaufprozesses ausschließlich von den Hochglanz-Webseiten des Unternehmens und redaktionellen Produkttests in Special Interest Magazinen beinflussen ließ. Heute stöbern wir in einschlägigen Foren, auf Bewertungsplattformen und Weblogs oder fragen gleich unsere Twitter-Gemeinde um Rat.Schlechte Performance und Qualtitätsmängel der anvisierten Produkte werden somit in Windeseile an den Online-Pranger gestellt und abgestraft. Einige der kritischen Rezensionen schaffen es sogar noch vor die Unternehmenwebsite in den Suchmaschinen-ergebnissen zu gelangen. Schlecht für das werbungtreibende Unternehmen, gut für uns als informierten Verbraucher.
2. Social Media Marketing - was verstehen Sie darunter?
Social Media Marketing bindet im Gegensatz zum herkömmlichen Online-Marketing, Social Media Elemente in seinen Kommunikations-Mix ein. Das können z.B. Marken-Communities/Seiten auf MySpace, Facebook oder Edelprofile auf StudiVZ sein. Darüber hinaus kann auch ein aufgesetzter Kampagnen-Blog, diverse Twitter-Accounts und ein Kanal bei Youtube das Social Media Marketing unterstützen. Ziel ist es, durch einen authentisches Dialog mit der Zielgruppe die Glaubwürdigkeit für die Marke zu steigern und die dessen Bekanntheit durch digitale Mundpropaganda voranzutreiben.
3.
Wie erklären Sie sich die bisherige Zurückhaltung der DAX 30
Unternehmen bezüglich der Nutzung von sozialen Medien wie Twitter,
YouTube, Facebook und Co.?
Nach meiner Meinung sehen die Dax 30 Unternehmen Social Media Aktivitäten noch nicht als Priorität an.
Das erklärt auch, das nur wenige von ihnen wie z.B. Daimler mit seinem Corporate Blog oder Henkel und Lufthansa mit einem Twitter-Kanal ersteinmal herum experimentieren. Die breite Masse hält sich jedoch vornehm zurück und lässt sich von den Vorreitern inspirieren.
4. Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung folgender Medien: Twitter, YouTube, Facebook, MySpace, Corporate Blog?
Die sozialen Medien werden in Zukuft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Communites werden auch unter den älteren Nutzern (50+) immer beliebter. Im Bewegtbildsegment (YouTube & Co) beobachten wir schon seit Längerem die Tendenz zur Clip-Kultur. Und Twitter schafft mittlerweile den Sprung in die Mainstream-Medien insbesondere in den Wahlkampf. Wenn das keine guten Vorzeichen sind?
5. Wie bewerten Sie die Nutzung von Twitter als reinen Marketing- und Vertriebskanal? (Stichwort: Deutsche Lufthansa)
Hier beziehe ich aus Prinzip eine neutrale Position. Denn jedem Unternehmen liegt es frei, wie er die 140-Zeichen-Botschaften nutzt. Möchte der Support Anfragen in Echtzeit beantworten, die Unternehmens-kommunikation lediglich ihren Blog-RSS-Feed einbinden oder der Vertrieb spezielle Rabattaktionen verkünden. Ich denke, die Einsatzmöglichen von Twitter sind äußerst vielfältig, genauso wie der Twitter-Follower auch.
6. Macht es für jedes der DAX Unternehmen Sinn, in sozialen Medien
aktiv zu werden? Gibt es bestimmte Branchen, für die sich Engagement in
den sozialen Medien weniger lohnt?
Das
kann man so pauschal nicht sagen. Es empfielt sich wie im klassischen
Marketing auch eine Zielgruppenanalyse vorab durchzuführen, um zu
ermitteln ob und wo sich die Zielgruppen im Social Web aufhalten. Erst
dann entscheide ich über die Auswahl der geeigneten Mittel. Ich hatte
bisher bei den großen 30 noch nicht das Vergnügen, so dass ich Ihnen
hier leider keine weiterführende Auskunft geben kann.
7. Welche Relevanz hat Social Media für die Zukunft, insbesondere im Vergleich zu den klassischen Medien?
Ich denke die Relevanz der sozialen Medien wird steigen, da besonders junge Menschen im Alter zwischen 14 und 25 durch die klassischen Disziplinen teilweise oder schon gar nicht mehr erreicht werden können. Jedoch gehöre ich nicht zu den Verfechtern, die behaupten, die klassischen Medien wären tot. Denn die große Masse lässt sich im Augenblick immer noch am schnellsten über Radio, TV und Print erreichen. Deshalb raten wir unseren Mandanten in vielen Fällen ihre Online-Marketing-Feldzüge durch klassisches Advertising zu flankieren.
8. Nennen Sie bitte zum Schluss noch ein Unternehmensbeispiel für eine aus Ihrer Sicht gelungene Nutzung von Social Media.
Hierzu bediene ich mich an einer Coffe-Shop-Kette jenseits des großes Teiches. Starbucks hat meiner Meinung nach verstanden, wie man das Social Media im Sinne des Crowd-Sourcings exzellent einsetzt. Auf der Website: MyStarbucksIdea, sammelt Starbucks Produktanregungen von seinen Kunden. Bisher sind 70.000 Vorschläge eingegangen, wobei die Top Ideen von mehr als 95.000 Nutzern positiv bewertet und mehr als 1.000 mal kommentiert worden sind. Auf Facebook verfügt der US-Kafferöster z.B. mehr als 1,7 Mio. Fans. Sinn und Zweck: Durch die Einbindung der Kunden ins Marketing und in die Produktentwicklung werden nicht nur Kosten eingespart (Marktforschung), sondern darüberhinaus die Kundenloyalität gesteigert. Das ist Starbucks wohl durchaus gelungen.




