Habt Ihr Euch schon einmal die Frage gestellt was passiert, wenn Ihr stirbt. Eure Hinterbliebenen werden sich höchstwahrscheinlich um Euren physischen Nachlass kümmern. Hund, Katze, Auto, Haus und Eure Lieblingskakteen werden gerecht verteilt, falls Ihr das ganze in einem Testament geregelt habt. Aber was ist mit den Gebeinen Euer digitalen Identität? Hier liegen möglicherweise wichtige Daten, Fotos, Videos, Dokumente und E-Mail-Accounts brach, die im Falle Eures Ablebens für Eure Hinterlassenen nur noch schwer nachzuvollverziehen sind. Denn die Login-Kennwörter habt Ihr sprichtwörtlich mit ins Grab genommen. Diese digitale Vorsorge möchte Peter Morcinek und Marco Hamburger mit Euch auf der Plattform Idivus treffen. Da ich das Thema selbst recht spannend finde, habe ich in einem Interview nachgefragt, was sich hinter diesem ungewöhnlichen Web 2.0-Businessmodell verbirgt.
1. Über Mitgründer Marco Hamburger
Als Internetnutzer seit den Anfangstagen des Web bin ich begeistert von den Möglichkeiten und den vielen Ideen, die dieses Medium hat entstehen lassen. Gerade die StartUp-Szene hier in Berlin hat eine Menge Potential um unseren Nutzer bei idivus durch Kooperationen auch schnell weitere Funktionen zu bieten. Ansonsten noch einige Keyfacts zu mir: 34 Jahre, ursprünglich aus Köln, seit 5 Jahren in Berlin, seit 2001 aktiv in der Start-Up Szene in Köln und Berlin.2. Wie seid Ihr auf „idivus“ gekommen?
Wir sind Ostern 2009 auf die folgende Frage gestossen: Was geschieht eigentlich mit Hinterlassenschaften, meinen Profilen, Bildern und Freunden im Web, wenn mir mal etwas zustößt? Wir hatten schon einige Fälle im Bekanntenkreis, wo der digitale Nachlass nicht geklärt war und wo die Angehörigen dann im Chaos zurück geblieben sind. Denn in diesem Fall wussten die meisten Angehörigen nicht, wo die Person so alles angemeldet war, hatten aus rechtlichen Gründen grosse Probleme auf diese Daten- und Profile Zugriff zu nehmen und kannten oft nur einen Bruchteil der Freunde + Bekannten des Verstorbenen.
3.Welches Konzept steckt hinter „idivus"?
Bei idivus.com kannst Du alle Deine relevanten Logins bei Communities ( z.B. Facebook, Xing, Wer-kennt-wen), Messenger (z.B. MSN, Skype), Email-Accounts (z.B. Web.de, Hotmail) und Deine Kontakte sichern. Du kannst Personen aus Familie und Freundeskreis festlegen, die im Fall der Fälle Zugriff auf diese Daten bekommen sollen, und Ihnen schreiben, was Dir auf dem Herzen liegt.
4. Welche Vorteile bietet Ihr Euren Nutzern?
idivus hat zum aktuellen Zeitpunkt folgende drei Vorteile für Nutzer:
I.) Daten sichern:Zuerst sichert der User alle wichtigen Login-Daten (von Communities, Messenger-Diensten, Shops, Fotogalerien, Videoportalen usw.) sowie alle wichtigen Kontaktdaten von Familie und Freunden. Damit ist idivus dem User auch ohne eigenes Ableben von großem Nutzen. Denn hier hat dieser immer und von überall Zugriff auf seine wichtigsten Daten.
II.) digitalen Nachlass weitergeben:Für den Fall, dass dem User jemals etwas passiert, kann er über idivus einer oder mehreren Personen seines Vertrauens seinen digitalen Nachlass weitergeben. Er stell damit rechtzeitig sicher, was mit seinen Profilen, Blogs, Fotos, Videos usw. geschehen soll, falls er es später nicht mehr selbst bestimmen kann. Das geschieht alles auf einfach und umkompliziert.
III.) Familie und Freunde verbinden:
Mit idivus gibt der User seinen Vertrauenspersonen die Möglichkeit, mit den übrigen Freunden und Bekannten in Verbindung zu treten, um diese zu informieren. Gerade wenn viele unterschiedliche Freundes- und Bekanntenkreise existieren, die sich untereinander nicht kennen, ist dies eine wertvolle Hilfe für die Familie.
5. Welche Sicherheitsvorkehrungen habt Ihr bei den sensiblen Nutzerdaten getroffen?
idivus nutzt neueste Sicherheitstechniken und hat 3 Sicherheitsstufen:
I.) Während Du auf idivus unterwegs bist, wird die Verbindung durch eine SSL-Verbindung gesichert. Das hast Du sicherlich schon einmal beim Online-Banking gesehen. Die Webadresse fängt mit "https://..." an.
II.) Ausserdem sind alle Daten in Deinem Profil komplett verschlüsselt. Den Schlüssel, um diese Daten zu ver- und entschlüsseln, hast nur Du. Daher legst Du bei Deinem ersten Login auch selber diesen Schlüssel fest. Bitte verwahre diesen Schlüssel sicher. Ohne ihn ist der Zugriff auf Deine Daten nicht mehr möglich.
III.) Dein Login ist ebenfalls mit einem sicherheitsrelevanten Passwort gesichert.
6. Ist Euer Angebot auch interessant für Unternehmen? Wenn ja, weshalb!
idivus ist aus zweierlei Blickwinkeln sehr interessant für Unternehmen:
I.) für Online-DiensteAktuell haben ein Grossteil der Dienste im Web keinerlei offizielle Regelung für den Umgang mit Todesfällen unter den eigenen Nutzern. Wir haben viele deutsche Dienste dazu befragt (hier findet Ihr das Interview: https://www.idivus.com/content/interviews-mit-web-20-diensten). Für Betreiber eines Online-Dienstes bietet sich nun die Möglichkeit idivus in die eigene Dienstleistungskette einzugliedern, so dass die Nutzer ihren digitalen Nachlass bei uns regeln. Der Dienst partizipiert dann natürlich an den Gebühren und bereinigt die eigenen Nutzerdaten, denn diese enthalten heute oft eine hohe Ungenauigkeit im Bezug auf nicht mehr genutzte Profile.
II.) als Corporate-LösungWenn "private" Angehörige, wie oben beschrieben, oft im Chaos zurück bleiben, so betrifft das Arbeitgeber + Geschäftspartner natürlich umso mehr. Denn diese stehen im Todesfall eines Mitarbeiters/ Geschäftspartners oft vor den gleichen Problemen, da Accounts zu diversen Diensten nicht öffentlich gesichert wurden, Dateien, Emails, etc. nicht gesichert wurden und aus datenschutzrechtlichen Gründen teilweise kein Zugriff auf Mitarbeiterdaten möglich sind.
7. Mit welchen Features können Eure Nutzer in Zukunft rechnen?
Uns geht es im ersten Schritt darum, über das Thema aufzuklären und Internetnutzer dafür zu sensibilisieren. Wir haben vor unserem Start viele Nutzer bei Facebook befragt, ob Sie denn wissen, was mit ihren Profilen und Kontakten im Web im Fall der Fälle passiert und wie dann Familie und Freunde im Notfall an diese Daten kommen. Obwohl einige bereits solche Problem-Fälle im Freundeskreis hatten, hatte niemand eine praktikable Lösung parat. Wir werden daher ab Mitte Oktober Fachbeiträge mit Tips von einem bekannten Anwalt für Multimedia-Recht veröffentlichen, damit unsere Leser wissen, worauf sie achten sollten. In Sachen Funktionalitäten werden wir über Kooperationspartner unseren Nutzern in Zukunft auch die Möglichkeit bieten, grössere Datenmengen zu sichern und diese Synchronisationen auch automatisch ablaufen zu lassen.




