Ich habe innerhalb der letzten Woche in unserem Agentur-Netzwerk ein kleines Kommunikationsexperiment gewagt. Das Ziel: Wie stellen wir einen einfachen und schnellen Echtzeit dialog zwischen uns allen her, der außerdem unsere Wissensbrocken protokolliert und systematisch abrufbar macht. Die Anforderungen von unseren Kooperationspartnern: Eine Mischung aus Social-Bookmarking- und Instant Messaging-Dienst sollte es sein und so intuitiv zu bedienen wie Twitter. Außerdem wäre ein Desktop-Programm als Client auch nicht verkehr, um nicht permanent eine Website im Browser ansteuern zu müssen. "Sonst noch Wünsche?!" donnerte ich zurück. Nach einer ausführlichen Google-Recherche bin ich dann auf die beiden Corporate-Twitter Tools "co-op" und "yammer" gestoßen. Da ich jedoch die Archivierung á la Hashtags (Verschlagwortung) sehr zu schätzen weiß, schied "co-op" von vorherein aus. Yammer befindet sich bei uns seit letztem Montag im Dauereinsatz und macht bis dato einen guten Job. Es folgt nun ein kleiner Erfahrungsbericht.
Registrierung: Die Anmeldung erfolgte schnell und unkompliziert. Als Unternehmensanwender gibt man hier die E-Mail-Adresse mit spezifischer Subdomain an. Diese ist ausschlagebend, da nur User aus dem Firmennetzwerk eingeladen werden können. Mit einem kleinen Trick lässt sich diese Finesse allerdings umgehen. Legt für Eure Netzwerkpartner, die über keine hauseigene E-Mail-Domain verfügen einfach eine Weiterleitung an deren reguläre E-Mail-Adressen an.
Konfiguration: Jeder Projektpartner legte nach erfolgreicher Einladungsmail sein eigenes Profil an und lud sein Foto hoch. Darüber hinaus ist auch möglich weitere Parameter in Yammer einfließen zu lassen. Z.B. kann der User in den Einstellungen unter dem Menüpunkt "Orga Chart" (Organigramm) angeben, in welcher Position er sich hinsichtlich seines Mitnutzers befindet und ob er bestimmten Mitarbeitern reportpflichtig ist. Bei uns traf dies glücklicherweise nicht zu, denn wir sind alle gleichberechtigt.

Plattform-Mix: Am meisten hat sich das Team über die schicke Desktop-Anwendung gefreut, die auf Adobe Air basiert. Ein bißchen errinnert mich die Gute an meinen heißgeliebten Mikroblogging-Clienten Twhirl. Hier ist nach Eingabe von E-Mail-Adresse und Passwort die Yammer Kommunikationsarena auch außerhalb der Website für jeden Windowsuser nutzbar. Apple-Anhänger scheinen sich wohl noch ein wenig in Geduld üben zu müssen. Die Benachrichtigung via SMS ist ebenfalls möglich, jedoch steht diese Funktion wie im Fall von Twitter augenblicklich nur Usern aus den USA zur Verfügung. Doch das tut der Freude keinen Abriss, denn als stolze Besitzer eines Iphones oder Blackberry könnt Ihr euch die passende Anwendung auf euer Cellphone überspielen. Bei Iphone geht dies nur per Umweg über den AppleStory. Ich nehme mich allerdings hier aus der Haftung, denn ich besitze weder das eine noch das andere Handymodell. Ferner habt ihr die Möglichkeit euren Status ganz klassisch via E-Mail abzugeben. Dazu sendet Ihr einfach eure E-Mail an: yammer@yammer.com.
Features: Wer sich bereits mit der Funktionsweise von Twitter auseinandergesetzt hat, wird sich bei Yammer schnell zurechtfinden. Man findet die bewährte Follow-Funktionen inkl. RSS-Feed-Button, die bei Unternehmen ab 15 Personen sicherlich sehr praktisch ist. In unserem überschaubaren Projektteam aus 4-Mann, ist sie eher zu vernachlässigen. Wie im Eingangsteil schon erwähnt, trifft Ihr hier auch wieder auf einen alten Bekannten: das sogenannte Hashtagging. Ein konkretes Beispiel dazu: Wie auch in vielen anderen virtuellen Projektteams betreut man zusammen eine Reihe von Kunden. Mit der Hashtag-Funktion (Befehl: #Schlagwort) kann ich so bestimmte Aussagen auf Yammer projektbezogen kennzeichnen und archivieren. Dies ist ungeheuer nützlich, wenn wir auf gepostete Ideen oder Argumentationen zurückgreifen müssen. Fast schon selbstverständlich ist die Reply-Funktion, mit der auf Postings direkt geantwortet werden kann, so dass ein Gesprächsverläufer leichter nachvollziebarer ist. Was ich allerdings vermisse, ist die Direkt-Mail-Funktion, die wurde bis dato von den Yammer-Jungs ausgespart. Ein Briefumschlags-Symbol ist zwar vorhanden, jedoch versendet dieses nur das Update zusätzlich per E-Mail.
Fazit: Alles in allem ein durchaus vorzeigbarer Instant-Messenger-Dienst a lá Twitter, mit dem prima in größeren Gruppen diskutiert, gebrainstormt, Statusmelden abgegeben sowie Linktipps ausgetauscht werden können. Durch die Hashtag-Funktion können auch wichtige Besprechungspunkte festgehalten und schnell wieder abgerufen werden. Dies ist mit einem regulären Instant-Messanger-Dienst nicht möglich. Sauer aufgestoßen ist mir trotzdem das fehlende Feature "Direkt-Mail", somit können einzelnen Teammitgliedern nicht persönlich angeschrieben werden, ohne das es die Anderen öffentlich mitgekommen. Wer aber ein einfaches Tool sucht, um sich in einem größeren Projektteam oder Abteilung unkompliziert und plattformunabhängig miteiander zu verständigen ist bei Yammer gut aufgehoben!
Ihr habt bereits Erfahrungen mit "Yammer" gemacht und empfiehlt einen anderen, der noch besser funktioniert? Dann kommentiert was das Zeug hält, ich freue mich über euer Feedback!